Wolgograd

KM 4632 | Mit Wolgograd erreiche ich eine weitere Millionenstadt. Den meisten wird die Stadt eher unter dem Namen „Stalingrad“ bekannt sein. So hieß die Stadt von 1925 bis 1961 und hat sich durch die Schlacht von Stalingrad bei der insgesamt 700.000 Menschen ums Leben kam ins Gedächtnis gebrannt.

Die Tage zuvor waren von Steppenlandschaft und einer wenig befahrenen Asphaltstraße geprägt. Die Dorfbewohner haben teils kasachische Wurzeln. Dieses Cafe bietet aserbaidschanische Küche. Ein „Kotlett“ ist hier das, was wir unter einem Fleischküchle verstehen und wird mit Kartoffeln, Brot und Salat serviert.

DSC00197

Bei der Ankunft in Wolgograd erwartet mich viel Verkehr und schlechte Luft.

DSC00201

Ich kann bei der Familie von Maksim, der Mitglied des Radclubs „Orion“ in Wolgograd ist, übernachten.

DSC00218

Seine Frau Sveta und sein Sohn Mischa führen mich durch die Stadt und wir besuchen die Gedenkstätte für die Opfer der Roten Armee. In einer riesigen Halle sind die Namen der Gefallenen in einer endlosen Liste an der Wand verewigt. In der Mitte der Halle brennt eine Flamme, aus den Lautsprechern ertönt eine traurige Musik und 2 Soldaten bewachen hier Tag und Nach das Denkmal.

DSC00213

Draußen gibt es einen kleinen Souvenirladen mit Spielzeugpanzern, Kühlschrankmagneten mit Putin darauf, Sowjet-Sternen und vieles mehr.

In einem kleinen Museum sind Feldpostbriefe von deutschen und russischen Soldaten ausgestellt, die Stalingrad warscheinlich nie verlassen haben.

DSC00222

Auch Flugblätter, auf denen aufgefordert wird sich zu ergeben und in Gefangenschaft zu gehen, sind ausgestellt. Darauf ist zu lesen, dass den Soldaten eine Rückkehr nach Kriegsende garantiert werde und das Flugblatt als Passierschein gültig sei.

DSC00223

Auf dem Gipfel des Mamajew-Hügels steht als Denkmal für den Sieg eine der größten Statuen überhaupt, die „Mutter-Heimat-Statue“. Mit 85 Metern Höhe ist sie sehr beeindruckend und somit fast so hoch wie die Freiheitsstatue in New York.

DSC00214

In diesen Tagen haben manche Schüler die letzten Abschlussprüfungen in der Schule und sie ziehen mit farbigen Bändern durch die Straßen, feiern und machen Fotos.

DSC00220

Das nächste Foto zeigt einen riesigen Brunnen, der von 16 Leuten gereignigt wird. Wie viele davon wirklich arbeiten mag jeder selbst beurteilen.

DSC00211

Jedenfalls trifft meiner Meinung nach diese Foto ganz gut so manche Dinge in Russland, die vielleicht nicht ganz so effizient ablaufen. Sie kosten zwar viel Arbeitszeit, bringen aber wenig Nutzen. Beispielsweise wird in einem Supermarkt jeder 5000 Rubel-Schein einer langen Sicherheitprüfung unterzogen und die Uhrzeit, Seriennummer und mehr von der Kassiererin von Hand in ein Buch eingetragen.

Der Arbeitszeit scheint man generell keinen besonders hohen Wert zuzuschreiben. Für die Reparatur meiner Schuhe werden mir umgerechnet nur 3 Euro in Rechnung gestellt, für meinen neuen Haarschnitt 4 Euro.

Überall in der Stadt wird auch nach über 70 Jahren Kriegsende an den Sieg erinnert, wie hier etwa mit einer riesigen Plakatfläche.

DSC00208

Die Gebäude wurden teilweise wieder im alten Stil nach dem Krieg aufgebaut und so gibt es trotz völliger Zerstörung der Stadt einige schöne Gebäude, wie hier etwa der Hauptbahnhof. In den Bahnhof kann ich ohne Ticket leider nicht. Ebenso müsste ich erst wie am Flughafen durch eine Sicherheitskontrolle.

DSC00206

Öfters ist mir schon aufgefallen, dass in vielen Supermärkten, Banken oder Behörden ständig Sicherheitspersonal anwesend ist. So auch im Kindergarten von Mischa. Mischa hat seinen letzten Tag im Kindergarten und zu diesem Anlass gibt es für die Eltern eine Vorführung mit Gesang, Theater, vielen Reden und Blumensträußen.

DSC00233DSC00239

Mit meinem Rad gehe ich in einen der zwei Radläden Wolgograds mit dem Namen „Freeride“. Vladimir und seine Kollegen bauen mir eine neue Kurbel ein und ich bringe die Aufnahme des Kettenblatts mit der Feile in die richtige Form, da sie nicht die exakt gleiche Kurbel vorrätig haben. Die Kurbel hat sich während der Reise gelockert und hat so viel Spiel, dass wir denken ein Austausch ist die beste Lösung.

DSC00204

Ein Trinkgeld lehnen die Monteure strikt ab, und so bleibt mir noch die Möglichkeit in einen Supermarkt zu fahren um allen etwas zum Essen zu bringen. Unter Protest nehmen sie dies dann schließlich doch an und ich bin froh, dass nun wenigstens ein Teil meiner Reparaturen erledigt ist.

7 Gedanken zu „Wolgograd

  1. Hannelore Braunwarth

    Lieber Heinrich, das ist wirklich spannend, was Du so alles erlebst! Und wir sind gespannt wie es weitergeht und freuen uns auf die nächsten Berichte. Machs gut und weiterhin gute Reise! Und viele Grüße aus dem nun warmen Langenau.

  2. Keke

    Wow:) ich bin ziemlich beeindruckt…Nico und Paris, der Freund von Sarah, beide sind etwas eifersüchtig auf deine Tour;)…krass, dass du quasi in „Stalingrad“ bist…echt…alles so original…was ich sonst nur aus Fernsehen und Büchern kenne…herzliche Grüße

  3. Felix Gass

    Der Blog wird immer besser, die Fotos sind toll und lebendig. Ich bin ein echter Fan geworden. Vielen Dank auch für die Mail die du mir geschickt hast wegen der Visainformationen. Noch viele spannende Tage wünscht dir
    Felix

  4. Andreas und Elke

    Tolle Leistung , freuen uns auf weitere Beiträge . Gute Fahrt ! Herzliche Grüße Andreas u. Elke

  5. Anja

    Lieber Heinrich, heute kam deine Karte. Vielen Dank! Und auch vielen Dank für deinen tollen Blog, der uns so direkt an deiner Reise beteiligt. Herzliche Grüße aus Nehren!

  6. Dmitry

    Hi, Heinrich!
    Really it’s great and very exiting!!!
    You encourage me to repeat your journey.
    Unfortunately I can’t speak and write Germany. So I translate your blog using google.com.
    By the way I’m from Russia and Volgograd.
    Some reference about your notes in Volgograd.
    There is no any problem to enter in Central Train station without ticket)))
    And your notes about 5000rub banknote. It’s funny))) Try to pay something in Germany 200Euro or 500Euro banknotes. Seller will be check this banknotes any kind way: IR-light, UF-light, special pencil and so one. And even more they will try to refuse to accept 200Euro or 500Euro banknotes.
    And I absolutely agree that to pay by credit or debit card is more convenient. This way of payment in Russia is beginning more and more popular.
    With best regards
    Looking forward to your new reference about your journey!
    Good Luck!!!

Die Kommentare sind geschlossen.